Was mich fünf Jahre Zusammenarbeit mit Startup-Gründer:innen gelehrt haben
Fünf Jahre mit Startup-Gründer:innen zeigen: Gutes Product Design beginnt mit Klarheit, unbequemen Fragen und gemeinsamen Entscheidungen.
- Veröffentlicht
- 17. Juli 2026
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Introduction
Als ich vor fünf Jahren angefangen habe, mit Startups zu arbeiten, dachte ich, meine Aufgabe als Product Designerin wäre es, gute Interfaces zu gestalten. Heute sehe ich das etwas anders. Die Produkte, auf die ich am meisten stolz bin, sind nicht wegen besonders schöner Screens erfolgreich geworden. Sie wurden besser, weil die Teams dahinter bessere Entscheidungen getroffen haben. Rückblickend habe ich deutlich weniger Zeit in Figma verbracht, als ich erwartet hätte. Stattdessen saß ich immer mehr in Workshops, führte User-Interviews, diskutierte mit Gründer:innen über Produktideen und verbrachte Stunden vor Whiteboards. Viele der wichtigsten Entscheidungen fielen lange bevor überhaupt der erste Screen gestaltet wurde.
Gründer:innen fehlt es selten an Ideen
Eines der ersten Dinge, die mir aufgefallen sind: Gründer:innen haben fast nie zu wenige Ideen. Meistens ist eher das Gegenteil der Fall. Es gibt immer mehr Möglichkeiten, Features und Visionen, als ein Team realistischerweise umsetzen kann. Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht darin, noch eine weitere Idee zu finden. Sie besteht darin, die richtigen Prioritäten zu setzen. Jedes Feature kostet Zeit, Budget und Aufmerksamkeit. Jede Entscheidung bedeutet gleichzeitig, auf etwas anderes zu verzichten. Die besten Gründer:innen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, wollten nie alles bauen. Sie wollten herausfinden, was im jeweiligen Moment den größten Unterschied macht. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich oft gar nicht die Person war, die neue Ideen eingebracht hat. Viel häufiger habe ich dabei geholfen, Klarheit zu schaffen, damit die richtigen Entscheidungen getroffen werden konnten.
Die wertvollsten Gespräche waren selten die angenehmsten
Einige der wichtigsten Meetings, an die ich mich erinnere, begannen mit einer unbequemen Frage. “Brauchen unsere Nutzer dieses Feature wirklich?” Oder “Welches Problem versuchen wir eigentlich zu lösen?” Solche Fragen können unangenehm sein. Manchmal stellen sie Entscheidungen infrage, über die ein Team bereits tagelang diskutiert hat. Rückblickend waren genau diese Gespräche aber oft die wertvollsten. Sie haben verhindert, dass Wochen oder sogar Monate in die falsche Richtung investiert wurden. Dabei ist mir etwas aufgefallen: Die besten Gründer:innen waren selten an einer bestimmten Lösung festgehalten. Ihnen ging es darum, das eigentliche Problem zu lösen. Das macht einen großen Unterschied.
Geschwindigkeit hilft nur mit der richtigen Richtung
Startups bewegen sich schnell. Genau das macht die Arbeit für mich so spannend. Ideen werden innerhalb weniger Tage zu Prototypen und Entscheidungen fallen oft deutlich schneller als in großen Unternehmen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass Geschwindigkeit allein kein Fortschritt ist. Ein Team kann Features in Rekordzeit entwickeln und trotzdem nicht genau wissen, für wen das Produkt eigentlich gedacht ist oder welches Problem es löst. In solchen Situationen ist es oft die schnellste Entscheidung, einen Schritt zurückzugehen, mit Nutzer:innen zu sprechen und bestehende Annahmen zu hinterfragen.
Gute Produkte entstehen im gemeinsamen Austausch
Eine weitere Erkenntnis ist, dass die besten Produktideen selten von einer einzelnen Person kommen. Gründer:innen kennen ihren Markt. Entwickler:innen verstehen die technischen Möglichkeiten und Grenzen. Designer:innen erkennen, wo Nutzer:innen scheitern oder verwirrt sind. Erst wenn diese unterschiedlichen Perspektiven zusammenkommen, entstehen wirklich gute Lösungen. Die besten Produkte, an denen ich mitarbeiten durfte, waren nie das Ergebnis eines einzelnen Geistesblitzes. Sie sind aus vielen kleinen Gesprächen entstanden, in denen Ideen hinterfragt, verbessert und weiterentwickelt wurden.
Mein Fazit
Wenn mich die letzten fünf Jahre eines gelehrt haben, dann ist es, dass gute Produkte mit Klarheit beginnen. Schöne Interfaces sind wichtig. Gutes UX ist wichtig. Schnelle Umsetzung ist wichtig. Aber all das entfaltet erst dann seine Wirkung, wenn ein Team wirklich versteht, welches Problem es lösen möchte. Deshalb ist Product Design für mich heute viel mehr als das Gestalten von Interfaces. Es bedeutet, Gründer:innen dabei zu unterstützen, ihre Nutzer besser zu verstehen, fundierte Produktentscheidungen zu treffen und Produkte zu entwickeln, die echte Probleme lösen.
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