Wo Product Designer heute den größten Mehrwert schaffen
KI verändert die Arbeit im Product Design. Der größte Mehrwert liegt heute darin, Nutzer:innen zu verstehen und bessere Entscheidungen zu treffen.
- Veröffentlicht
- 17. Juli 2026
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Introduction
Vor einem Jahr habe ich den Großteil meiner Zeit in Figma verbracht. Heute verbringe ich überraschend viel Zeit in Codex. Das klingt für einen Product Designer vielleicht erst einmal komisch. Ich liebe es nach wie vor, Interfaces zu gestalten und ich werde das wahrscheinlich auch immer tun. Der Unterschied ist nur, dass KI viele Aufgaben übernommen hat, die früher einen großen Teil meines Arbeitsalltags ausgemacht haben. Ich bin ehrlich gesagt sogar froh darüber, dass ich nicht mehr zwanzig Screens duplizieren muss, nur um jeden Loading State, Empty State oder Error State zu bauen. Genau für solche Aufgaben ist KI mittlerweile richtig gut. Sie hilft mir dabei, Ideen schneller auszuprobieren, Prototypen zu bauen, UX-Texte zu schreiben und deutlich schneller zu einer ersten Version zu kommen.
Beim Aufbau von Stories.dev habe ich mich immer öfter dabei erwischt, direkt in Codex zu arbeiten. Figma nutze ich zwar nach wie vor ständig, aber mittlerweile eher als Kommunikationswerkzeug. Oft ist es schneller, einen Screen kurz zu gestalten, einen Screenshot an Codex zu schicken und genau zu zeigen, was ich meine, als jede einzelne Designentscheidung in Worte zu fassen. Statt zu schreiben: „Bitte hier 16 Pixel Abstand, dieses Element links ausrichten und dort das Padding reduzieren“, zeichne ich es lieber einfach. Genau dadurch ist mir bewusst geworden, wo ich als Product Designer eigentlich den größten Mehrwert schaffe.
Die Gespräche haben sich verändert
Ein großer Teil meiner wertvollsten Arbeit passiert inzwischen, bevor ich Figma überhaupt öffne. Wenn ich mit Gründer:innen zusammenarbeite, sprechen wir nur selten über Abstände oder Border Radius. Stattdessen beschäftigen wir uns mit viel grundsätzlicheren Fragen wie: “Lösen wir überhaupt das richtige Problem?”, “Gehört dieses Feature wirklich ins MVP?”, “Warum brechen Nutzer:innen an dieser Stelle ab?”, “Was sollten wir als Nächstes bauen?”, “Wie bringen wir Nutzerbedürfnisse und Business-Ziele in Einklang?” Genau diese Entscheidungen prägen ein Produkt am Ende viel stärker als das eigentliche Interface. Die meisten Gründer:innen arbeiten nicht mit mir zusammen, weil sie keinen Screen gestalten können. Sie holen mich dazu, weil Produktentscheidungen teuer sind. Das falsche Feature zu bauen kann Monate an Entwicklungszeit kosten. KI macht das Bauen einfacher. Die richtigen Entscheidungen zu treffen ist dadurch aber nicht einfacher geworden.
Gutes Design ist mehr als gutes UI
Außerdem habe ich noch etwas beobachtet. Viele KI-generierte Produkte beginnen sich immer ähnlicher anzufühlen. Die Oberflächen sind sauber. Die UX funktioniert meistens gut. Alles wirkt modern. Trotzdem fehlt vielen Produkten Persönlichkeit. Sie fühlen sich austauschbar an. Ich glaube, erfahrene Designer bringen hier nach wie vor etwas mit, das sich heute nur schwer automatisieren lässt. Sie schaffen Erlebnisse, die zu einer Marke passen. Sie treffen unzählige kleine Entscheidungen auf Basis von Erfahrung, Kontext, Neugier und einem tiefen Verständnis für die Menschen, für die sie gestalten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass KI auch darin immer besser werden wird. Irgendwann werden wir vermutlich gar nicht mehr darüber nachdenken, ob etwas mit KI entstanden ist. Genauso wenig wie wir heute darüber nachdenken, ob jemand Auto Layout oder eine Rechtschreibprüfung verwendet hat.
Wird KI auch strategisch denken können?
Ich glaube schon. Schon heute kann KI dabei helfen, Research auszuwerten, Feedback zu strukturieren und Muster über hunderte Gespräche hinweg zu erkennen. Was ihr heute noch fehlt, ist der direkte Kontakt mit echten Menschen. Sie sitzt nicht mit im User Interview. Sie bemerkt nicht, wenn jemand vor einer Antwort kurz zögert. Sie stellt keine spontane Rückfrage, weil ihr etwas interessant erscheint. Und sie spürt auch nicht die Frustration, die manchmal zwischen den Zeilen liegt. Diese Erkenntnisse entstehen heute noch im direkten Gespräch zwischen Menschen. Vielleicht sieht das in fünf Jahren schon anders aus. Vielleicht sogar früher. Deshalb glaube ich nicht, dass KI Product Designer ersetzt. Zumindest noch nicht. Die Werkzeuge werden sich weiter verändern. Das haben sie schon immer.
Warum ich optimistisch bin
Ich war noch nie ein Fan der Aussage, dass ausgerechnet der eigene Beruf zu kreativ oder zu komplex sei, um automatisiert zu werden. Wenn uns die letzten Jahre etwas gezeigt haben, dann, dass KI uns immer wieder überrascht. Ich würde mich deshalb auch nicht wundern, wenn sich fast jeder Beruf in den nächsten Jahren grundlegend verändert. Das ändert aber nichts daran, warum ich meinen Beruf so gerne mache. Solange ich Produkte sehe, die Nutzer:innen verwirren, am eigentlichen Problem vorbeientwickelt werden oder unnötig frustrieren, werde ich Gründer:innen dabei helfen, bessere Produkte zu bauen. Ob ich dafür Figma, Codex oder ein Tool nutze, das heute noch gar nicht existiert, spielt für mich keine große Rolle. Menschen zu verstehen, gemeinsam bessere Produktentscheidungen zu treffen und Produkte zu entwickeln, die Nutzer:innen wirklich gerne verwenden, ist der Teil meiner Arbeit, der mir am meisten Freude macht. Und genau deshalb freue ich mich auf alles, was noch kommt.
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